Bosch Connected World - Das Internet der Dinge ist ein Netz der Vielen

von Björn Sievers, Managing Director Technology & Media
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16. März 2017
Bosch Connected World 2017

YouTube ist Video, Facebook Kommunikation und Google ausschließlich Suche. Das Internet, eine Geschichte von Konzentration, könnte man meinen. Das ist jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Denn das Internet bedeutet auch Vielfalt: Seine nächste Ausbaustufe zum Internet der Dinge wird nur funktionieren, wenn Unternehmen zusammenarbeiten. Das hat der deutsche Technologiekonzern Robert Bosch* auf seiner eigenen Messe gezeigt, der Bosch Connected World.

Den Veranstaltungsort für seine vierte Bosch Connected World hätte das Stuttgarter Unternehmen nicht besser wählen können. In der STATION in Berlin-Kreuzberg treffen sich schon seit Jahren Menschen, die das Internet weiter entwickeln: auf der NEXT Conference oder der re:publica. Das Kongresszentrum in dem 1997 stillgelegten Postbahnhof fasst locker ein paar tausend Teilnehmer. Und den Platz braucht Bosch inzwischen auch.

Rund 3000 Teilnehmer sind gekommen, um sich an zwei Tagen die Vorträge von 130 Rednern anzuhören. Angefangen hat Bosch mit 450 Teilnehmern. Konferenzsprache ist Englisch. Die Top drei Themen sind Automation, künstliche Intelligenz und - das ist Bosch besonders wichtig - Offenheit. Das Internet der nächsten Generation kann nur dann entstehen, wenn alle zusammenarbeiten: Industrie- mit Softwareunternehmen, langjährige Partner und einstige Konkurrenten.

Bosch glaube fest an Offenheit, sagt CEO Volkmar Denner in seiner Keynote zur Eröffnung der Konferenz. Das Internet der Dinge könnte niemand allein entwickeln. Erfolgreich würden nur Unternehmen sein, die gemeinsam mit anderen neue Produkte und Services entwickeln und dafür Plattformen nutzen, die auch anderen zur Verfügung stehen.

Neue Allianzen

Seine eigene Plattform, die Connected World, nutze Bosch, um sich als führender Zulieferer für selbstfahrende Autos zu positionieren. Das Unternehmen stellt das Gehirn für autonom fahrende Fahrzeuge vor. Entwickelt hat Bosch das Bauteil mit eingebauter künstlicher Intelligenz nicht allein: Partner ist der Chiphersteller Nvidia, bekannt vor allem als Hersteller leistungsfähiger Grafikkarten für Gaming PCs.

Der Zusammenschluss von Bosch und Nvidia ist zugleich ein gutes Beispiel für die neuen Allianzen, die im Internet der Dinge notwendig werden, um Industrieanlagen nicht nur zu automatisieren, sondern auch mit Intelligenz auszustatten. Auf der Ausstellungsfläche in der STATION stehen Roboter, Maschinen und ein Mähdrescher neben den Präsenzen von IT- und Software-Unternehmen. Mit dabei sind unter anderem Software AG, SAP, Amazon Web Services, der französische Netzwerkanbieter Sigfox*, der Netzwerk-Ausrüster Cisco sowie die Deutsche Telekom.

Die Herausforderungen liegen jedoch nicht allein darin, die richtigen Partner zu finden. Auch die Unternehmen müssen sich ändern. Bosch hat angefangen, seine eigene Organisation mit Hilfe von Design Thinking weiterzuentwickeln, angefangen im Bereich Home & Garden. Das Ergebnis: flachere Hierarchien und agilere Teams, wie Bosch-Geschäftsführer Uwe Raschke in seiner Keynote sagte.

Next stop: autonomes Parken

Bosch wird den eingeschlagenen Weg weitergehen, daran lässt CEO Denner keinen Zweifel. Im kommenden Jahr wolle er wieder etwas sehen, was ihn überrascht. Die konkrete Hausaufgabe für seine Ingenieure: Ein Auto, das seine Parklücke autonom findet, ohne dass man erst die Straßen abfahren muss, und dann natürlich auch selbstständig einparkt.

Für viele Autofahrer wäre das vermutlich eine große Hilfe, wenn sie nicht um den Block fahren müssen. Und zugleich wird es nur eine Übergangstechnologie sein. Schließlich werden Autos in einigen Jahren vollkommen autonom fahren. Spätestens dann muss niemand mehr selbst einparken. Und vermutlich werden deutlich weniger Menschen ein Auto besitzen, weil sie sich jederzeit eines per App vor die Haustür bestellen können.

Bis dahin stehen alle Beteiligten in der Branche vor großen Herausforderungen, nicht nur in der Technologie, sondern auch in der Formulierung neuer Geschäftsmodelle und der Weiterentwicklung der eigenen Organisation. Tröstlich immerhin, im Internet der Dinge ist Platz für sehr viele Mitspieler. Auch auf der Bosch Connected World. Oder es ein Teilnehmer formulierte: Auf der Konferenz würden die relevanten Themen diskutiert, und es würde richtig Geschäft gemacht.

*Edelman/Edelman.ergo Kunde

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